Im Wald

Mein Waldspaziergang

Nur wenige waren Heute Unterweg im Wald
Nur wenige waren heute unterwegs im Wald

Heute Morgen bin ich früher als sonst aufgewacht. Es war noch ganz still draußen, dieses weiche, fast schwerelose Schweigen, das nur ganz früh am Tag existiert. Ich habe mir einen Tee gemacht – Brennnessel und ein bisschen Salbei – und schon da gemerkt, dass mich etwas nach draußen zieht.

Also bin ich in den Wald gegangen. 🌿

Die Luft war kühl und klar, noch feucht vom Tau der Nacht. Der Boden unter meinen Füßen weich, ein bisschen federnd, mit diesem ganz eigenen Duft aus Erde, Moos und altem Holz. Es hat so gut getan, einfach zu gehen, ohne Ziel, ohne Druck. Nur ich und dieser Weg.

Als Therapeutin arbeite ich viel mit energetischer Heilarbeit. Ich nehme Dinge oft sehr fein wahr – manchmal fast zu fein. Und genau deshalb sind diese Momente für mich so wichtig. Im Wald ordnet sich alles wieder. Ohne dass ich etwas tun muss.

Ich habe irgendwann angehalten, an einer kleinen Lichtung, wo das Sonnenlicht schon durch die Bäume gefallen ist. Dieses goldene, gefilterte Licht… es hatte etwas unglaublich Sanftes. Ich habe meine Augen geschlossen und meine Hände leicht vor meinem Körper gehalten, so wie ich es auch in meinen Sessions mache.

Und dann habe ich einfach gespürt.

Zuerst war da noch Unruhe – Gedanken, die nachhallen, Gespräche vom Vortag, Energien, die nicht ganz bei mir waren. Aber je länger ich dort stand, desto mehr hat sich etwas gelöst. Mein Atem wurde tiefer. Mein Brustraum weiter.

In meinen Händen begann dieses bekannte Kribbeln. Ganz fein zuerst, fast wie ein Flimmern. Dann wärmer. Dichter. Als würde sich dort etwas sammeln, bündeln. Ich habe mir vorgestellt, wie ich alles, was sich schwer anfühlt, über meine Füße in die Erde abgebe. Und gleichzeitig neue, klare Energie über meinen Scheitel aufnehme.

Es war kein spektakulärer Moment. Kein „Wow“.
Eher ein ganz leises Zurückkommen.

Ich habe auch Geräusche wahrgenommen – das Knacken von Ästen irgendwo in der Ferne, ein Vogel, der ganz gleichmäßig gerufen hat, und dieses leise Rauschen der Bäume im Wind. Alles wirkte wie abgestimmt. Als würde der Wald mich genau in diesem Prozess begleiten.

Nach einer Weile habe ich mich auf einen umgefallenen Baumstamm gesetzt. Die Rinde war noch leicht feucht, kühl durch meine Kleidung hindurch. Ich habe meine Hände auf mein Herz gelegt und einfach da gesessen.

Und da war plötzlich so viel Ruhe.

Nicht dieses „Ich sollte jetzt ruhig sein“ – sondern echte, tiefe Stille. In mir.

Ich habe gemerkt, wie sich mein ganzes System reguliert. Wie mein Nervensystem runterfährt. Wie ich wieder klarer spüren kann, was wirklich meins ist – und was ich vielleicht unbewusst von anderen aufgenommen habe.

Genau das ist für mich energetische Arbeit.
Nicht nur in Sitzungen mit Klient – sondern auch in diesen kleinen, ehrlichen Momenten mit mir selbst.

Als ich zurückgegangen bin, war alles ein bisschen heller. Nicht unbedingt im Außen – sondern in meiner Wahrnehmung. Ich war langsamer. Weicher. Mehr bei mir.

Und ich wurde wieder daran erinnert, wie wichtig es ist, sich selbst diesen Raum zu geben.

Der Wald verlangt nichts.
Er hält einfach.

Und manchmal ist genau das die tiefste Form von Heilung.